Piotr Kuczera: Europas Dauerbrenner im U100kg bleibt hungrig
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Piotr Kuczera steht mit 31 Jahren immer noch mitten im internationalen judo-Geschehen. Der Pole aus Rybnik hat sich seinen Platz in der Weltspitze über Jahre erkämpft, ohne den einen ganz großen Durchbruch schon in den Händen zu haben. Vor kurzem ging es für ihn nach Japan an die Tenri University, um sich auf die nächste Etappe seiner Karriere vorzubereiten.
Sein Weg auf die Tatami begann 2005 eher zufällig, eigentlich nur als Fitnessprogramm in seiner Heimatstadt. Doch aus dem Hobby wurde schnell Leistungssport: Bereits 2015 holte er Bronze bei den World Junior Championships und den European Junior Championships. Damit war klar, dass Polen einen neuen Hoffnungsträger in der U100kg-Klasse hat.
Vom Fitnesskurs zum Medaillenjäger – Kuczeras langer Weg nach oben
Auf der Seniorenbühne machte Kuczera dort weiter, wo er bei den Junioren aufgehört hatte. European Open-Siege in Rom 2017 und in Warschau 2022 untermauerten seine Klasse auf europäischer Ebene. Hinzu kamen Medaillen auf der IJF World Tour, etwa Bronze beim Grand Prix in Zagreb 2022 und ein Podiumsplatz beim Oceania Open in Perth 2023.
Einer seiner größten Momente war die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio. Dort erwischte er gleich zum Auftakt den späteren Olympiasieger Lasha Bekauri und schied früh aus, stand aber dennoch auf der größten Bühne des Sports. Schon 2016 hatte er EM-Bronze in Kazan geholt und 2022 in Sofia mit EM-Silber sein bis dahin bestes europäisches Ergebnis gefeiert.
Auch in den letzten Jahren blieb Kuczera vorne dabei. 2024 erreichte er das Finale des Grand Slam in Baku und gewann Silber, dazu kam Bronze beim Grand Slam in Taschkent. 2025 folgten Silber beim European Open in Benidorm und erneut Bronze beim Grand Prix in Zagreb.
Seine Karriere ist geprägt von harten Duellen gegen starke europäische Namen. Gegen den israelischen Judoka Li Kochman führt er klar mit sechs Siegen aus sieben Kämpfen, mit Aleksandar Kukolj liefern sich beide ausgeglichene Schlachten. Kämpfer wie Krisztian Toth, Mikhail Igolnikov und Nikoloz Sherazadishvili haben ihn regelmäßig an seine Grenzen gebracht.
Technisch baut Kuczera auf dynamische Aktionen wie uchi mata und präzise Fußfeger, passend zu seinem offensiven Stil. Abseits der Matte dient er beim Militär und findet dort dieselben Werte von Disziplin und Durchhaltevermögen wieder, die ihn im judo auszeichnen. Gemeinsam mit seiner Frau Anna Kuczera, selbst ehemalige Spitzenkämpferin und European junior champion von 2014, sowie den beiden Kindern Jan und Klara versucht er den Spagat zwischen Familie, Dienstgrad und Leistungssport.
Inspiriert von polnischen Legenden wie Pawel Nastula jagt Kuczera weiter dem großen Moment hinterher. Acht nationale Titel, zahlreiche internationale Medaillen und Trainingslager in Japan zeigen: Seine Geschichte in der U100kg-Klasse Europas ist noch längst nicht zu Ende.
Quelle: JudoInside