Weniger Kraft, mehr Köpfchen: Octavian Pătrașcus Plan für sichereres, schnelleres Judo
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Judo gilt als „sanfter Weg“, aber auf der Matte sieht man oft das Gegenteil: verkrampfte Schultern, Druck nach vorn, immer mehr Muskelarbeit. Genau diese Gewohnheiten führen laut Octavian Pătrașcu häufig zu Verletzungen und unnötigen Niederlagen. Der mehrfache World- und European-Masters-Champion verbindet seine Wettkampf-Erfahrung mit Coaching und Forschung, um Training messbar wirksamer zu machen.
Nicht mehr drücken – besser fühlen.
Sein erster Hebel ist überraschend simpel und doch entscheidend: Schultern entspannen. Wenn der Schultergürtel hart wird, verlieren die Hände Sensibilität, der Kontakt zum Gegner wird „stumm“, Reaktionen kommen zu spät. Pătrașcu setzt deshalb am Anfang konsequent auf Seiryoku Zenyo und baut Grundlagen über ukemi und shintai auf, bevor es an Würfe geht. Die Arme sollen wie Antennen funktionieren, während kuzushi nicht über Kraft, sondern über Vektoren, Timing und die instabilsten Punkte des Gegners entsteht.
Pătrașcus eigener Weg unterstreicht die Idee: Er begann Anfang der 1990er in Chișcăreni (Moldau), wurde früh national konkurrenzfähig und zog mit 19 in das Vereinigte Königreich, um stärkere Gegner zu finden. Er trat für Moldau bei offiziellen Welt- und Europameisterschaften an und ist in Birmingham beim Erdington Judo Club aktiv, wo er seit 2014 auch zum Trainerteam gehört. Im Masters-Bereich blieb er im -81-kg-Limit aktiv und sammelte bei IJF- und BJA-Turnieren zahlreiche Medaillen, darunter Silber bei den World Masters Championships in Lissabon 2021 und Abu Dhabi 2023 sowie Bronze in Marrakesh 2019.
Tempo beginnt im Kopf, nicht in den Beinen.
Dazu kommt sein neurokognitiver Ansatz: Statt Hände, Füße und Rumpf getrennt zu „scannen“, empfiehlt er visuelles Anchoring im zentralen Bereich am Gi, um Muster schneller zu erkennen. In einem 2025 veröffentlichten Paper beschreibt er, wie solche Mechanismen Entscheidungszeiten verkürzen können, unterstützt durch Neurofeedback mit EEG-Headset.
Schließlich denkt Pătrașcu auch taktisch datenbasiert: Ein KI-Ansatz soll vor großen Kämpfen Motorik-Analysen und Resilienzwerte (CD-RISC 10) zusammenführen, um zwischen risikoreichem Angriff und ökonomischerem Plan zu wählen. Ein Beispiel nennt er von den Commonwealth Games auf Malta 2024, wo er im Finale nach einem kräftezehrenden Weg bewusst umstellte – und Gold holte. Seine Botschaft bleibt klar: intelligentes Ressourcen-Management schlägt blinde Härte.
Quelle: JudoInside