Nora Gjakova’s Next Fight Begins on the Coaching Side - Image: EJU / European Judo Union

Nora Gjakovas nächster Kampf beginnt an der Seitenlinie

Nora Gjakova hat nach ihrem Rücktritt vom Wettkampf im Januar eine neue Phase im Judo begonnen. Die Olympiasiegerin aus dem Kosovo baut nun ihre Trainerkarriere auf und übernimmt in Belgien die Rolle der Frauen-Nationaltrainerin bei Judo Wallonie-Bruxelles.

Über Jahre war Gjakovas Identität untrennbar mit dem Spitzensport verbunden. Sie hatte als Olympiasiegerin bis 57 kg, Europameisterin, WM-Bronzemedaillengewinnerin und eine der erfolgreichsten Judoka des Kosovo die Spitze erreicht. Der Abschied von diesem Leben war jedoch kein einfacher Schalter, den man einfach umlegt.

Sie sprach offen über die emotionale Last des Rücktritts und sagte, sie habe um die Version ihrer selbst getrauert, die sie als Athletin geliebt habe. Obwohl das Trainerdasein schon lange Teil ihres Plans gewesen sei, erwiesen sich die ersten Schritte als schwieriger als erwartet. Die Rückkehr ins Nationale Zentrum des Kosovo, in dasselbe Dojo, in dem so viele prägende Erinnerungen ihrer Karriere entstanden, ließ sie in einer völlig anderen Rolle nur schwer Halt finden.

Statt sich durch den Sport erneuert zu fühlen, sah sie sich mit Stille und Distanz zu jener Identität konfrontiert, die sie so lange getragen hatte. Das wurde zum Wendepunkt. Gjakova erkannte, dass sie das Judo nicht hinter sich lassen musste, aber Abstand zu der Athletin brauchte, die sie gewesen war.

Diese Suche nach einem gesünderen Übergang führte sie nach Belgien. Mit ihrem Einstieg bei Judo Wallonie-Bruxelles als Frauen-Nationaltrainerin fand sie das neue Umfeld, das sie nach eigener Einschätzung brauchte. Laut Gjakova läuft es in ihrer neuen Umgebung gut, und der Wechsel hat ihr den Raum gegeben, in die Trainerin hineinzuwachsen, die sie werden möchte.

Manchmal kommt die schwerste Veränderung im Judo erst nach den Medaillen.

Ihre Wettkampfbilanz verleiht diesem neuen Kapitel zusätzliches Gewicht. Neben Olympia-Gold gewann Gjakova 2021 WM-Bronze, holte 2018 den Europameistertitel, gewann Silber bei den Europaspielen 2019, sammelte fünf europäische Bronzemedaillen und sicherte sich drei Grand-Slam-Siege. Bei den Olympischen Spielen in Paris 2024 trug sie außerdem gemeinsam mit ihrem Bruder Akil Gjakova die Flagge des Kosovo.

Doch ihre Trainerphilosophie gründet nicht nur auf Medaillen. Gjakova sagt, dass die Werte, die sie als Athletin geprägt haben, sie auch heute leiten: harte Arbeit, Disziplin, Beständigkeit und emotionale Ausgeglichenheit. Sie möchte, dass Athletinnen und Athleten Judo als ein Spiel verstehen, das von Vorbereitung, Strategie und der Bereitschaft geprägt ist, sich nach Siegen wie nach Niederlagen weiterzuentwickeln.

Diese Denkweise ist eng mit dem Einfluss von Driton Kuka verbunden, dem Trainer, der sowohl Gjakova als auch den Aufstieg des Kosovo zu einer bedeutenden Kraft im Judo mitgeprägt hat. Gjakova sprach über das Vertrauen, das sie über die Jahre aufgebaut haben, besonders vor den größten Wettkämpfen, und sagte, dass genau dieses Vertrauen nun auch im Zentrum der Art steht, wie sie coachen möchte.

Sie möchte nicht, dass Athletinnen und Athleten bei jeder Entscheidung von ihr abhängig sind. Stattdessen ist es ihr Ziel, ihnen zu helfen, unabhängiger zu werden, im Training mehr Selbstvertrauen zu entwickeln und bei der Wettkampfvorbereitung die eigenen Gefühle besser wahrzunehmen. Aus ihrer Sicht braucht dieser Prozess Zeit.

Gjakova jagt keine Medaillen mehr, aber Wachstum bleibt ihr Antrieb.

Gjakovas Geschichte handelt nicht nur vom Rücktritt. Es geht um den schwierigen Raum zwischen einer Identität und der nächsten und darum, dem Judo verbunden zu bleiben, während sie lernt, auf neue Weise darin ihren Platz zu finden.

Quelle: EJU.net

Bildquelle: EJU / European Judo Union

Quelle: Fighting Lifestyle

Bildquelle: EJU / European Judo Union

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