Adrian Croitoru: Rumäniens stiller Meister, der Paris und Europa prägte
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Adrian Croitoru feiert seinen 55. Geburtstag – und mit ihm erinnert sich Rumänien an einen Judoka, der leise, aber nachhaltig Spuren hinterlassen hat. Der frühere WM-Medaillengewinner aus Brașov steht bis heute für Konstanz, Disziplin und eine Karriere, die europäisches Spitzenjudo geprägt hat. Als Athlet und später als Trainer bleibt sein Name fest mit der Entwicklung des rumänischen Judo verbunden.
Ein Europameister, der Rumänien dauerhaft auf die Judo-Landkarte setzte.
Aufgewachsen in Focșani, fand Croitoru früh in die Welt des Sports und zum Judo. Im Verein Liberty Oradea entwickelte er sich rasant und galt schon als Teenager als große rumänische Hoffnung. 1990 holte er in Dijon Bronze bei den Junioren-Weltmeisterschaften und kündigte sich damit eindrucksvoll auf der internationalen Bühne an.
Sein Durchbruch in Europa folgte schnell. 1991 gewann er in Pieksämäki den Junioren-Europameistertitel und sammelte im gleichen Jahr erste Medaillen bei den Senioren. Bronze bei den Europameisterschaften in Prag und ein Podestplatz beim World Masters in München zeigten, dass Rumänien nun einen Judoka hatte, der die etablierten Nationen herausfordern konnte.
Die Olympischen Spiele 1992 in Barcelona brachten Platz fünf in der Klasse bis 86 kg – knapp an einer Medaille vorbei, aber ein starkes Signal. Im gleichen Jahr gewann er Silber bei den Europameisterschaften in Paris sowie beim traditionsreichen Budapest Bank Cup. 1993 folgten der Sieg beim Budapest Bank Cup und WM-Bronze in Hamilton, womit er sich endgültig in der Weltspitze festsetzte.
Einer seiner größten Momente kam 1996 beim prestigeträchtigen Tournoi de Paris, den er für sich entschied. Damals gehörte das Turnier zu den härtesten Wettbewerben im Kalender, ein Sieg dort bedeutete internationale Anerkennung. Im selben Jahr gewann er erneut den Budapest Bank Cup und bestätigte seine Klasse.
Als die Gewichtsklassen angepasst wurden, wechselte Croitoru in die Kategorie bis 90 kg und blieb weiter konkurrenzfähig. 1999 holte er in Birmingham WM-Bronze, ein später Karrierehöhepunkt nach vielen Jahren an der Spitze. Im Olympiajahr 2000 krönte er sich in Wrocław zum Europameister – einer der größten Erfolge des rumänischen Judo jener Zeit – und hatte zuvor bereits Bronze beim Grand Prix in Leonding geholt.
Seine Kämpfe gegen europäische Topstars wie den niederländischen Olympiasieger Mark Huizinga wurden zu wiederkehrenden Duellen auf Augenhöhe. Auch gegen Ruslan Mashurenko, León Villar, Algimantas Merkevicius und Lionel Hugonnier sammelte er wichtige Siege. Diese Rivalitäten machten ihn zu einem festen Bestandteil der europäischen Elite.
Nach seiner aktiven Laufbahn blieb Croitoru dem Sport treu und übernahm den Posten des Cheftrainers der rumänischen Nationalmannschaft. Später arbeitete er auch international, unter anderem als verantwortlicher Coach des marokkanischen Teams, und gab seine Erfahrung an die nächste Generation weiter. Abseits der Matten ist er Familienmensch, Ehemann und Vater zweier Töchter – und bis heute ein Symbol dafür, wie ein Europameister über Jahrzehnte dem Judo verbunden bleibt.
Quelle: JudoInside